Die Umsatzrendite: eine nüchterne Bestandsaufnahme
Von 3,2 % im Jahr 2023 auf 1,2 % im Jahr 2025: Die Umsatzrendite in der VW-, Audi-, Skoda- und Seat-Handelsorganisation ist in zwei Jahren um 63 % eingebrochen, gemessen am operativen Ergebnis vor Steuer. Das erste Quartal 2026 zeigt mit 0,7 % nach 0,5 % im Vorjahr nur eine zaghafte Stabilisierung auf niedrigem Niveau.
Wichtig für die Einordnung: Die Jahre 2022 und 2023 waren durch hohe Gebrauchtwagenpreise und Auftragsbestände im Neuwagengeschäft begünstigt, ein Effekt, der ausgelaufen ist. Vor der Corona-Zeit lag die durchschnittliche Umsatzrendite ebenfalls um die 1 %. Die aktuellen Werte sind insofern weniger ein neuer Tiefpunkt als eine Rückkehr zu einem strukturellen Normalniveau, das durch zwei gute Jahre überdeckt war.
Warum das Ergebnis fast vollständig aus dem Aftersales kommt
Der Blick auf den Deckungsbeitrag III je Sparte macht deutlich, wo die Marge tatsächlich entsteht. Im ersten Quartal 2026 lag der Kundendienst bei 24,8 % DB III vom Nettoerlös, der Teiledienst bei 14,7 %. Neuwagen und Gebrauchtwagen kommen dagegen nur auf 2,5 % beziehungsweise 2,0 %. Was der Umsatzrendite an der Spitze fehlt, lässt sich fast vollständig auf die rückläufigen Margen im Fahrzeughandel zurückführen, nicht auf den Aftersales.
Diese Abhängigkeit lässt sich mit der Service-Absorption-Rate greifbar machen: dem Anteil der indirekten Gesamtkosten des Betriebs, den der Aftersales allein decken kann.

Die Quote ist in zwei Jahren um 13,2 Prozentpunkte gesunken, bleibt aber über 100 %. Der Aftersales trägt also weiterhin mehr als die eigenen indirekten Kosten, mit sinkendem Puffer. Genau dieser Puffer ist es, der die Unabhängigkeit vom Vertriebsergebnis ausmacht, und er wird dünner.
Praxis-Tipp: Die Service-Absorption-Rate lässt sich schnell selbst berechnen: DB III aus Kundendienst und Teiledienst durch die gesamten indirekten Kosten des Betriebs inklusive Verwaltungskostenumlage teilen. Der Vergleich mit dem eigenen Vorjahreswert zeigt, ob sich der Puffer im eigenen Haus schneller oder langsamer verengt als im Branchenschnitt.
Der stille Ergebnistreiber Öl und die Elektromobilität
Ein Ergebnistreiber verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil er in der laufenden Ergebnisrechnung oft unsichtbar bleibt: Schmierstoffe und Öle. Bei reinen Servicebetrieben stammen 91 % des Ergebnisses vor Steuern aus diesem einen Posten, bei Vollbetrieben immerhin 50 %, im Gesamtdurchschnitt 54 %.
Gleichzeitig wächst der Elektroanteil im Fahrzeugbestand spürbar. Zum 1. Januar 2026 waren gut 2 Millionen Fahrzeuge rein elektrisch, ein Anteil von 4,1 % am Gesamtbestand, nach 0,07 % im Jahr 2017. Bei den Neuzulassungen ist die Dynamik deutlich stärker: Im April 2026 lag der BEV-Anteil bei 25,8 %, in den ersten vier Monaten wurden 223.980 reine Elektrofahrzeuge neu zugelassen, ein Wachstum von 41,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Inklusive Plug-in-Hybriden liegt der Anteil aller Elektroantriebe an den Neuzulassungen bei 34,5 %.
Der Gesamtbestand ändert sich dadurch nur langsam, aber strukturell und unumkehrbar. Mit jedem Elektrofahrzeug, das ein Verbrennerfahrzeug im Bestand ersetzt, entfällt ein Teil des Ergebnisses, das heute noch über Schmierstoffe und Öle erwirtschaftet wird. Das betrifft Servicebetriebe deutlich stärker als Vollbetriebe, weil bei ihnen ein einzelner Kostenträger einen so hohen Ergebnisanteil trägt.
Was die Werkstattkennzahlen für das zweite Halbjahr zeigen
Auf Basis von rund 450 Betrieben zeigt der Vergleich der ersten Halbjahre 2025 und 2026 bei den klassischen Werkstattkennzahlen keine dramatischen Verschiebungen, aber zwei Bewegungen sind bemerkenswert:
Der Anwesenheitsgrad ist im Durchschnitt von 71,6 % auf 75,2 % gestiegen, bedingt vor allem durch die Betrachtung der ersten Jahreshälfte ohne die urlaubsstarken Sommermonate. Die Produktivität ist dagegen von 88,1 % auf 87,2 % leicht gesunken, was sich unter anderem auf Abrechnungsrückstände zurückführen lässt, die zum Jahresende ausgeglichen werden. Deutlicher ist die Spreizung zwischen den Betriebsgruppen: Bei den schwächsten 20 % der Betriebe stagniert die Leistung bei rund 81 %, während die Auslastung dort sogar leicht sinkt. Die Schere zwischen Top- und Bottom-Betrieben öffnet sich weiter.
Daraus lassen sich drei Stellschrauben für das zweite Halbjahr 2026 ableiten: erstens die Menge, also mehr der anwesenden Stunden produktiv und verkauft zu bekommen. Zweitens der Wert, also das Abrechnungsverhalten bei Nullstunden, Nachlässen und Festpreisen zu prüfen. Drittens die Kosten, also den eigenen Kostendeckungspunkt aktiv zu senken, statt allein auf höhere Verrechnungssätze zu setzen.
Fazit: Das Wissen ist da, die Exekution entscheidet
Die Halbjahresbilanz 2026 zeigt kein neues Problem, sondern eine bekannte Entwicklung, die sich verfestigt: sinkende Rendite, ein Aftersales, der zunehmend das gesamte Ergebnis trägt, und ein Ergebnistreiber Öl, der mit dem Elektroanteil langsam, aber sicher kleiner wird. Für das zweite Halbjahr entscheidet weniger das Wissen um diese Zahlen als die tägliche Umsetzung in der Werkstatt.
Wenn Sie Ihre eigenen Zahlen mit dem Branchendurchschnitt oder den Top-20-Betrieben abgleichen möchten, unterstützen wir Sie gern bei der Einordnung und der Ableitung konkreter Maßnahmen. Schreiben Sie uns einfach hier.
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