Volle Auftragsbücher, gut gebuchte Mechaniker, und trotzdem bleibt am Jahresende weniger übrig als erwartet. Dieses Gefühl kennen viele Serviceleiter und Geschäftsführer im Autohaus. Die Jahresleistung macht diesen blinden Fleck sichtbar: Sie zeigt, was von der bezahlten Arbeitszeit wirklich auf der Kundenrechnung landet.
Was ist die Jahresleistung und wie berechnet sie sich?
Die Jahresleistung misst das Verhältnis der verkauften Stunden zur bezahlten Arbeitszeit über ein Kalenderjahr. Die Formel ist denkbar einfach:
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Wichtig dabei ist eine häufig übersehene Stellschraube: In den Nenner gehört ausschließlich die bezahlte Arbeitszeit. Nicht bezahlte Abwesenheiten, also zum Beispiel Langzeitkrankheit ab der siebten Woche oder Kur- und Reha-Zeiten, dürfen nicht in die Gesamtstunden einfließen. Wer das nicht beachtet, zieht sich die Jahresleistung künstlich nach unten und steuert auf Basis verzerrter Zahlen.
Warum die Jahresleistung mehr aussagt als jede Einzelkennzahl
Werkstattsteuerung arbeitet üblicherweise mit vier Kennzahlen: Anwesenheitsgrad, Auslastungsgrad, Leistungsgrad und Produktivität. Jede davon hat ihre Berechtigung, aber keine liefert allein das vollständige Bild.
Die Jahresleistung fasst alle vier zusammen. Ein Mechaniker mit schlechtem Auslastungsgrad kann das mit einem überdurchschnittlichen Leistungsgrad kompensieren. Ein Betrieb, der bei der Anwesenheit gut dasteht, verliert trotzdem, wenn der Leistungsgrad schwächelt. Die
Jahresleistung zeigt das Gesamtergebnis: Was habe ich an Stunden bezahlt, was ist hinten raus gekommen?
Viele Geschäftsführer sehen das pragmatisch: Wenn ein Mechaniker übers Jahr eine vernünftige Jahresleistung bringt, spielt es für sie eine untergeordnete Rolle, ob das nun aus einem guten Anwesenheits-, Auslastungs- oder Leistungsgrad kommt. Die Jahresleistung ist die Kennzahl, die am Ende zählt.
Praxis-Tipp: Die Jahresleistung eignet sich besonders für den Jahresabschluss-Review. Da das komplette Kalenderjahr vorliegt, lassen sich Mechaniker, Teams und Betriebe direkt vergleichen, ohne dass Saisoneffekte oder einzelne Ausreißer-Monate das Bild verzerren.
Benchmark, Ziel und Bottom 20: Wo steht der Durchschnittsbetrieb?
Die Hersteller-Ziele sind seit Jahren bekannt:
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Die Realität sieht in vielen Betrieben anders aus. Auf Basis von rund 450 Betrieben aus unserer Auswertung ergibt sich folgendes Bild:
Die Bottom 20 % kommen auf eine durchschnittliche Jahresleistung von 50,8 %. Von zwei bezahlten Stunden landet also knapp eine beim Kunden auf der Rechnung. Die Ursachen liegen fast immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig: hohe Krankenquote, viel unproduktive Zeit in der Anwesenheit, schwacher Leistungsgrad. Keine dieser Schwachstellen allein wäre gravierend, zusammen aber verstärken sie sich.
Der Branchenbenchmark über alle Betriebe liegt bei 63 %. Der Anwesenheitsgrad liegt im Schnitt bei knapp 72 % statt der angestrebten 79 %, der Leistungsgrad rund 5 Prozentpunkte unter Ziel. Beides zusammen erklärt die Lücke zum Hersteller-Ziel von 71 % vollständig.
Die Top 20 % erreichen 75,8 %. Diese Betriebe schaffen es, dass Mechaniker präsent und produktiv sind und in der produktiven Zeit wirklich viele Stunden verkauft werden. Das setzt geringe Krankenquote, minimale unproduktive Zeiten und eine straff gesteuerte Werkstatt voraus, in der ausgebildete Monteure mehr verrechnen als sie produktiv brauchen.
Die Lücke zwischen Branchenbenchmark und Hersteller-Ziel beträgt 8 Prozentpunkte. Auf Jahresbasis ergibt das je nach Betriebsgröße ein erhebliches Ergebnispotenzial, das heute in vielen Häusern als stille Verluste unsichtbar bleibt.
So ermitteln Sie die Jahresleistung aus Ihrem DMS
Die Jahresleistung ist in vielen DMS-Auswertungen noch kein fester Standardwert. In bekumoo steht sie in der neuen Version bereit, lässt sich aber bereits jetzt aus dem Detailexport der Werkstattkennzahlen selbst berechnen. Der Weg in wenigen Schritten:
- Werkstattkennzahlen aufrufen und auf die Detailansicht wechseln (Tabellen-Symbol unten).
- Den Zeitraum auf das gewünschte Kalenderjahr einstellen.
- Über die drei Punkte oben rechts „Daten exportieren" wählen, Daten im aktuellen Layout.
- In der Excel-Tabelle die Spalte Abgerechnete Sollzeit (= verkaufte Stunden) durch die Spalte Gesamtstunden teilen.
- Das Ergebnis als Prozentzahl formatieren. Das ist die Jahresleistung, aufgeschlüsselt nach Mechaniker und als Betriebsgesamt.
Das klingt nach einem Schritt mehr als nötig, ist aber in wenigen Minuten erledigt. Ein Beispielbetrieb aus unserer Demo-Auswertung kommt so auf 62,6 % — direkt vergleichbar mit dem Branchenbenchmark von 63 %.
Fazit
Die Jahresleistung als Hebel auf das Betriebsergebnis
Wer wissen will, was seine Werkstatt wirklich leistet, kommt an der Jahresleistung nicht vorbei. Sie schließt alle anderen Werkstattkennzahlen ein, blendet Saisonrauschen aus und zeigt direkt, wie viel von jedem bezahlten Mechaniker-Euro tatsächlich in Umsatz übergeht. Der Branchenbenchmark von 63 % zeigt, dass hier in den meisten Betrieben noch erhebliche Reserven schlummern.
Einmal im Jahr gezogen, am besten nach Abschluss des Kalenderjahres, gibt die Jahresleistung eine solide Grundlage für Zielvereinbarungen, Mitarbeitergespräche und die strategische Planung der nächsten Saison.
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