Was der Kostendeckungspunkt grundsätzlich ist und wie die Grundformel funktioniert, haben wir bereits in Der Kostendeckungspunkt: Die Zahl, die über Gewinn oder Verlust entscheidet beschrieben. Hier geht es eine Ebene tiefer: In der Ergebnisrechnung der Kostenstelle Kundendienst steckt nicht ein Kostendeckungspunkt, sondern zwei, und wer sie verwechselt, verhandelt am Ende mit der falschen Zahl, sei es beim internen Verrechnungssatz oder beim Gewährleistungsverrechnungssatz.
Die Grundlage: SKR51 und die Logik der Kostenrechnung
Grundlage der Buchungslogik im Volkswagen- und Audi-Konzern ist der SKR51, der branchenspezifische Kontenrahmen für das Kfz-Gewerbe. Er wurde eingeführt, damit Betriebe sich markenübergreifend miteinander vergleichen können, unabhängig davon, welches Dealer-Management-System im Hintergrund läuft.
Jede Buchung setzt sich aus mehreren Kostenrechnungsmerkmalen zusammen: Marke, Standort, Konto (zum Beispiel Konten für Lohnerlöse extern und intern), Kostenstelle, Absatzkanal und Kostenträger. Für die Betrachtung des Kundendienstes sind vor allem zwei Merkmale relevant.
Die Kostenstelle unterscheidet zunächst zwischen dem gesamten Kundendienst und der Fremdleistung. Fremdleistungserlöse werden in der DB-Analyse der Kostenstelle Kundendienst bewusst herausgerechnet. Der Grund: Sie verwässern die Kalkulation. Wer Erlöse aus Fremdleistung oben mitrechnet und weiter unten einen DB3 ausweist, bekommt einen Wert, der den tatsächlichen Rohertrag aus eigener Leistung nicht mehr sauber zeigt. Deshalb wird die Fremdleistung separat betrachtet.
Der Kostenträger unterscheidet auf der rechten Seite nach Mechanik, Karosserie und Lack. Je nach Dealer-Management-System heißen diese Kostenträger operativ unterschiedlich, etwa „Abteilung 1" für die allgemeine Reparatur, „Abteilung 2" für Karosserie und „Abteilung 8" für Lack. Manche Systeme arbeiten direkt mit den Kostenträgern aus dem Kontenrahmen, andere nutzen eigene Abteilungsnummern. Für die Ergebnisrechnung selbst spielt das keine Rolle, solange am Ende konsistent zugeordnet wird.
Wie die Ergebnisrechnung Kundendienst aufgebaut ist
Die klassische Struktur der Ergebnisrechnung für die Kostenstelle Kundendienst, immer ohne Fremdleistung, baut sich von oben nach unten so auf:
- Nettolohnerlöse, extern und intern zusammen
- minus Nachlässe, zum Beispiel aus Cross über den SR-Batch oder als diverse Verrechnung
- plus Fertigungslöhne der Monteure, die im SKR51 hier oben mit einfließen
- ergibt den Rohertrag
Wichtig dabei: Im Rohertrag ist kein Öl enthalten. In älteren Kontenrahmen war das anders, dort lief Öl noch über den Kundendienst mit. Heute ist es sauber getrennt, was die Kalkulation nachvollziehbarer macht.
Darunter folgen die Personalkosten: unproduktive Löhne und Gehälter, die gesetzlichen und sozialen Aufwendungen für Fertigungslöhne und unproduktive Mitarbeitende sowie Azubi- und Fortbildungskosten. Es folgen die direkten Betriebskosten, also alle Sachkosten, die der Abteilung Kundendienst unmittelbar zuordenbar sind: Kfz-Geschäftsausstattung, Kfz-Vorführwagen, Kraftstoffe, Verbrauchsmaterialien, Werbekosten. Ganz unten stehen die indirekten Betriebskosten, die auf den Gesamtbetrieb verteilt werden, etwa Miete, Energie und Verwaltungskosten. Das Ergebnis dieser Rechnung ist das operative Ergebnis der Kostenstelle Kundendienst.
Zwei Kostendeckungspunkte, zwei Zwecke
Aus dieser Struktur lassen sich, von rechts betrachtet, zwei unterschiedliche Kostendeckungspunkte rechnen. Beide beantworten eine andere Frage.
Der erste ist der Kostendeckungspunkt auf Basis DB3 gleich null. Dafür werden alle Kosten bis zum DB3 zusammengezählt, also die direkten Kosten, die Personalkosten und vor allem die Fertigungslöhne oben in der Rechnung, und durch die Stundenzahl geteilt. In einem konkreten Beispiel ergaben 1,8 Millionen Euro Kosten geteilt durch die verkauften Stunden einen Wert von 95,14 €. Dieser Wert ist eine gute Diskussionsgrundlage für den internen Verrechnungssatz zwischen Verkauf und Service: Bekommt der Serviceleiter genau diese 95,14 € vom Verkauf für jede intern verrechnete Stunde bezahlt, laufen alle abteilungszugehörigen Kosten des Kundendienstes plus minus null durch.
Der zweite ist der Kostendeckungspunkt beim operativen Ergebnis gleich null, oft auch Vollkostendeckungspunkt genannt. Hier sind zusätzlich die indirekten Betriebskosten und die Verwaltungskosten mit eingerechnet. Im gleichen Beispiel lag dieser Wert bei 119,95 €. Das bedeutet: Erst ab einem durchschnittlich abgerechneten Verrechnungssatz von 119,95 € steht unter dem Strich eine Null.

Praxis-Tipp: Der Vollkostendeckungspunkt ist Ihre absolute Preisuntergrenze bei der Kalkulation der Verrechnungssätze. Alles darunter bedeutet, dass die Abteilung Kundendienst rechnerisch einen Teil der Gemeinkosten des Gesamtbetriebs mitträgt, ohne dass das im Tagesgeschäft sichtbar wird.
Im Beispiel bleiben von den 121,82 € erzieltem Verrechnungssatz gerade einmal 1,87 € Marge pro Stunde übrig. Nicht wenig auf den ersten Blick, aber auf die verkauften Stunden eines Jahres gerechnet ein schmaler Puffer für einen ganzen Betrieb.
Der Vollkostendeckungspunkt als Preisuntergrenze für den GWVS
Der Vollkostendeckungspunkt lässt sich nicht nur gegen den erzielten Verrechnungssatz gegenüber Endkunden spiegeln, sondern auch gegen den zuletzt genehmigten Gewährleistungsverrechnungssatz (GWVS). Denn Gewährleistungsstunden lassen sich nicht frei kalkulieren, sie werden über das jeweilige Herstellerverfahren vergütet.
Ein Beispiel aus der Praxis: Der Vollkostendeckungspunkt liegt bei rund 120 €. Über das DSMARIA-Verfahren werden aber nur 102 € je Gewährleistungsstunde vergütet. Damit entsteht eine Unterdeckung von 18 € pro Stunde, jede Gewährleistungsstunde wird also nicht kostendeckend bearbeitet. Genau dieser Abgleich zeigt, ob ein Einzelkostennachweis sinnvoll ist, mit dem sich ein höherer GWVS beantragen lässt.
Ob ein Einzelkostennachweis durchgeht, hängt unter anderem von der Personalkostenquote ab: Sie darf laut Nachweis maximal 70 % betragen, produktive und unproduktive Personalkosten zusammengerechnet im Verhältnis zu den Nettolohnerlösen. Liegt sie darüber, wird der Nachweis in der Regel nicht anerkannt. Eine normale Quote liegt eher zwischen 58 % und 62 %, der Schwellwert von 70 % ist also bewusst großzügig angesetzt.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Grundlage für den Einzelkostennachweis ist die Ergebnisrechnung des vergangenen Wirtschaftsjahres. Wer die Monatsabschlüsse laufend pflegt, hat die nötige Datenbasis bereits vorliegen. Für den VW- und Audi-Konzern gilt in der Regel eine Einreichungsfrist bis zum 30. November, damit eine Anpassung zum folgenden Jahresbeginn wirksam werden kann. Wer diesen Termin verstreichen lässt, arbeitet ein weiteres Jahr mit einem GWVS, der die tatsächlichen Kosten nicht deckt.
Das gilt besonders dann, wenn sich am Kostenbild gegenüber dem Vorjahr wenig verändert hat: Zeigt die aktuelle Ergebnisrechnung eine ähnliche Unterdeckung wie im Beispiel oben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Aufwand für den Nachweis lohnt.
Fazit
Zwei Zahlen, eine Entscheidungsgrundlage
Der Kostendeckungspunkt ist keine einzelne feste Größe, sondern hängt davon ab, welche Frage Sie beantworten wollen. Für den internen Verrechnungssatz zwischen Verkauf und Service zählt der DB3-Kostendeckungspunkt. Für die Preisuntergrenze gegenüber Endkunden und für die Bewertung Ihres Gewährleistungsverrechnungssatzes zählt der Vollkostendeckungspunkt. Die Grundformel dahinter kennen Sie vielleicht schon, entscheidend ist hier, mit welcher der beiden Varianten Sie tatsächlich rechnen. Wer beide Werte kennt und regelmäßig mit sauberen Daten aus Ergebnisrechnung und DMS abgleicht, verhandelt interne Verrechnungssätze auf einer belastbaren Grundlage und erkennt frühzeitig, ob ein Einzelkostennachweis wirtschaftlich sinnvoll ist.
Sie möchten Ihren eigenen Kostendeckungspunkt aus der Ergebnisrechnung ableiten und wissen, wie Sie ihn korrekt nach SKR51 berechnen? Im KDP-Guide finden Sie die Berechnungslogik, typische Datenquellen und ein durchgerechnetes Beispiel.
Nur wer beide Kostendeckungspunkte kennt, kann seinen Verrechnungssatz sauber begründen. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Ergebnisrechnung Schritt für Schritt einzuordnen und zu prüfen, ob sich ein Einzelkostennachweis für Sie lohnt.
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